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Hightech gegen Virusinfektion

Das erste Opfer in jedem Krieg ist die Wahrheit. Dies ist unter aufgeklärten Menschen eine unumstrittene Tatsache. Das erste Opfer in einer Pandemie sind deine persönlichen Daten.

Das ist die Erkenntnis, aus dem derzeitigem Kampf, gegen die Ausbreitung des SARS-CoV-2 Virus. Dazu muss man eingestehen, nur mit aktuellen und repräsentativen Daten lässt sich dieser Kampf am Ende tatsächlich gewinnen.

Grundsätzlich betrachtet, stehen sich hier zwei konkurrierende Standpunkte gegensätzlich gegenüber. Krisenstab vs. zu schützende Masse. Dieser Fakt wird nicht grundsätzlich besser, holt man sich nun noch einen Personenkreis oder besser die Fähigkeit der Programmierer mit ins Boot.

Nichts gegen Programmierer, denn sie sind ebenfalls auf Datensätze angewiesen, um sehen zu können, funktioniert was da programmiert wurde. Aus Bequemlichkeit und auch wegen besserer Rückverfolgung der problematischen Reaktionen des programmierten, nutzt man lieber eher unverfälschte, nicht anonymisierte Datensätze. Diese sind im Grunde auch nur ein Abfallprodukt, das während der Nutzung entsteht.

Es ist kein dummer Gedanke die nötigen Daten für den Krisenstab über eine eigens dafür erstellte App zu generieren, um mit geeigneten Maßnahmen besser und auch effektiver reagieren zu können. Es ist aber ein außerordentlich blöder Gedanke, dies auf die gerade passierende Weise zu machen. Eine App als „Heilmittel“ ins Spiel zu bringen, die am Ende Vertrauen verspielt, unnötige und nicht anonymisierte Daten transparent zu stehlen versucht.

Dieser Ansatz steht schon dem eigentlichem Ziel, repräsentative Datensätze zur Auswertung zu haben, kontra produktiv entgegen. Nur warum? Ist es nicht möglich, dass alles mit den Anforderungen an Datensicherheit und Schutz der Privatsphäre in Einklang bringen zu können? Fehlt am Ende die Zeit für eine Implementierung dieser Anforderungen? What the hell is going wrong?

Nein, die Zeit ist nicht das Problem. Die Machbarkeit ebenso wenig. Es ist eine Frage des Ansatzes, des prinzipiellen Konzeptes. Everything is possible. Leider erfahren wir das immer nur in der entgegengesetzten Richtung, wie man versucht uns noch den einen oder anderen zusätzlichen Datensatz zu entreißen. Frei nach dem Motto: „Wer das eine will, muss das andere zulassen.

Der einzige Grund für das Funktionieren dieser Herangehensweise, liegt im unbekümmerten Umgang mit den eigenen Daten bei der großen, oft jüngeren Masse an Menschen, denen das Bewusstsein für die eigenen Daten fehlt. Zum Glück haben sie auch nie erlebt, welchen Repressalien man mit der Preisgabe viel weniger personenbezogener Daten ausgesetzt sein kann. Doch dieses Glück wiegt einen auch in falscher Sicherheit.

Datenspende & Contact Trace App

Für die Bekämpfung der Pandemie sind derzeitig 2 Apps am Start (über die diskutiert wird). Die beiden Programme haben unterschiedliche Funktionen und Zielsetzungen. Zum einem geht es um die vom RKI.de herausgebrachten Fitness App (Datenspende-App), die helfen soll, die Infektion und die damit einhergehenden Symptome besser verstehen zu können. Wie auch bei anderen Fitness Apps wird hier die Vitalität der Person, anhand von Daten gespiegelt und diese werden zum Auswerten gesammelt.

Bei der Contact Trace App geht es um das Unterbrechen von Infektionsketten, indem alle Kontakte und die Dauer des Kontaktes gesammelt werden. Diese Daten werden mindestens 3 Wochen gespeichert. Stellt sich jemand als infiziert heraus, kann anhand der Daten nachvollzogen werden, wer alles zu dieser Person Kontakt hatte und eine entsprechende Warnung: „Bitte begeben Sie sich sofort in Quarantäne.“ versendet werden. Hier ein Beispiel aus Singapur:

Beide Ansätze sind hilfreich und wirkungsvoll. Gerade wenn es zu einem massenhaften Einsatz dieser Applikationen (kurz also App) käme. Es wären zwei super Instrumente, mit denen sich tatsächlich effektiv Leben retten ließen. Trotzdem wird keine der beiden Apps den Weg zu mir aufs Handy den Weg finden.

Obwohl beide kostenlos angeboten werden, mir ist der Preis zu hoch. Ich unterstütze nicht das fertige Ergebnis. Schon gar nicht die verpasste Chance und somit eine Programmierung, die keinen Respekt gegenüber der Privatsphäre aufweist, intransparent ist und einen Datensatz erzeugt, der enorme Begehrlichkeiten weckt. Unter anderem schon wegen seiner fehlenden Anonymisierung.

Wie man es dreht und wendet, es wird nicht besser und das erklärt warum deren Einsatz so vehement schöngeredet wird. Je nach beruflicher Herkunft ist das absolut verständlich. Die Virologen brauchen möglichst viele Datensätze, die Politiker sehnen sich so ein schnelleres Ende der Ausnahmesituation herbei und dem genervten Corona-Krise-Betroffenem ist am Ende die effektive Maßnahme auch mehr als recht.

Ist es unter diesen Umständen ein Luxus, der uns nicht zur Verfügung steht, den Schutz dieser sensiblen Daten zu fordern? An dieser Form der Daten-Erhebung sich gar nicht zu beteiligen? Ich meine nein.

Es ist möglich dies so zu machen, dass es für alle passt. Das keiner ein blödes Gefühl dabeihaben muss. Was passiert im Nachhinein mit den Daten oder fällt mir meine Datenspende irgendwann mal auf die eigenen Füße? Eigentlich stellt sich eher die Frage, warum es nicht gleich so konzeptionell umgesetzt wurde, das Bedenken dieser Art zerstreut werden.

Nach den Osterferien, also ab 20. April 2020 soll es eine öffentliche Version geben. Das Konzept war in den vergangenen Wochen von 130 Experten aus acht europäischen Ländern entwickelt und von Soldaten der Bundeswehr in Berlin getestet worden.

Die Messung via Bluetooth von Entfernungen wird dabei unter anderem ein Knackpunkt sein. Denn hier wird unter anderem „Neuland“ betreten, zumindest was die Genauigkeit betrifft. In dem Punkt darf man dann gespannt sein. Neben dem Umgang mit den Daten, ist die Erhebung solcher, technisch eine Herausforderung.

Datenspende App oder Service
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